Radioplanet Berlin

Das Radio der Künstler

Markus Lawo im Interview mit Alexander Kühl

 Markus: Hallo zusammen und herzlich willkommen auf Radioplanet Berlin. Mein Name ist Markus Lawo und nachdem ich schon die BERLIN NIGHTS moderiert habe, darf ich nun auch WATT AUF DIE OHREN moderieren. Mein Gast heute ist kein anderer als der Chefredakteur unseres Senders Alexander Kühl. Er wird uns sicher nicht nur Fragen rund um den Sender beantworten können, denn es ist ja ein offenes Geheimnis, dass er außerdem Autor ist. Natürlich haben wir Fragen zu seinen aktuellen Projekten und wie er überhaupt zum Schreiben gekommen ist. Zusätzlich habe ich euch Hörer auf Facebook gebeten, richtig krasse Fragen zu stellen, also nicht das Übliche, was immer in Interviews gefragt wird. Guten Abend, Alex.

Alexander: Guten Abend, Markus. Vielen Dank für die Einladung.

Markus: Die Idee kam mir sofort, als ich das Angebot bekam, WATT AUF DIE OHREN zu moderieren, denn mir ist aufgefallen, dass du zwar schon so viele Künstler, Musiker und Autoren präsentiert und interviewt hast, aber du selbst musstest dich doch nie den Fragen stellen. Ich wollte einfach mal, dass du heute auf der anderen Seite sitzt.

Alexander: Eine schöne Idee und für mich die Gelegenheit, wieder etwas mit dir zusammen machen zu dürfen.

Markus: Gute Überleitung! Wie ist das überhaupt jetzt mit dir und dem Radioplaneten. Du hast die Sendung WATT AUF DIE OHREN nun abgegeben, welche Konsequenzen hat das? Heißt das, dass du beim Radioplaneten aufhören wirst?

Alexander: Natürlich höre ich nicht auf. Ich werde weiterhin in der Redaktion tätig sein und andere Moderatoren unterstützen. Sicher werde ich, wenn gewünscht, als Moderator bei dem einen oder anderen Event zur Verfügung stehen. Ich kann mir auch vorstellen, Kollegen zu vertreten. Ich gebe nur die Sendung WATT AUF DIE OHREN als Moderator ab, weil es mir momentan leider zeitlich nicht möglich ist, diese zu moderieren und zu gestalten.

Markus: Momentan? Heißt das, du könntest dir vorstellen, die Sendung irgendwann wieder zu moderieren oder mit mir gemeinsam etwas zu machen?

Alexander: Ja, natürlich. Ich habe nie gesagt, dass es für immer sein muss. Im Moment geht es nicht, aber zwischendurch kann ich dich sicher mal vertreten oder so. Ich kann nur nicht jeden Freitag kontinuierlich moderieren. Darunter würde die Qualität leiden, und das möchte ich dem Sender nicht zumuten.

Markus: Das hören wir gern. Wenn ich schon mal an der Quelle sitze, möchte ich natürlich viel mehr über den Sender erfahren. Es existiert doch bestimmt eine kleine Geschichte zur Gründung des Senders, oder?

Alexander: Oh ja, die gibt es in der Tat. Ursprung ist der Song-Contest, den ich gemeinsam mit Christian Fuchs im Rahmen einer Künstlercommunity 2003 ins Leben rief. Die Gründung des Wettbewerbs war dem geschuldet, dass wir große ESC-Fans sind. Wir wollten einen Wettbewerb mit einem ähnlichen System. Der Unterschied zu unserem Wettbewerb war, dass sich nur die Teilnehmer gegenseitig bewerten durften. Was am Anfang als Wettbewerb unter Freunden und Arbeitskollegen entstand, entwickelte sich später mit dem Medium Internet rasant weiter. Es ging sehr schnell über die Landesgrenzen hinaus. Wir brauchten nun eine Möglichkeit, dass alle gleichzeitig bei der Punktevergabe dabei sein konnten, um das Ergebnis zu erfahren. So kam es schließlich 2009 zu der Gründung des Radioplaneten Berlins.

Markus: Dann feiern wir ja nächstes Jahr den zehnten Geburtstag.

Alexander: Ja, das stimmt. Das ist 'ne großartige Sache und mit Sicherheit werden wir dies mit spektakulären Events feiern. Ich kann es manchmal auch immer noch nicht glauben, wie sich der Sender entwickelt hat. Gestartet haben wir mit einer Sendung im Monat. Irgendwann haben wir zwanzig Stunden im Monat gesendet und seit Mai 2017 senden wir 24 Stunden am Tag. Wir haben außerdem so viel Zuwachs gekommen: Andrea Riemer mit SOULFOOD, Marvin Bittner mit seiner Literatursendung, Angela Gäde, Sabrina Stöger und unzählige Radioplanet DJ's, die unsere Musikprogramme zusammenstellen. Außerdem arbeiten wir mit WRITERS ONLINE und dem AUTORENNETZWERK zusammen und können damit unseren Traum ausleben.

Markus: Du meinst den Traum, Künstler zu unterstützen?

Alexander: Ja, genau. Unser Motto ist es doch, dass wir der Sender der Künstler sind. Schließlich ist der Sender aus einer Künstlercommunity hervorgegangen und da ist es doch selbstverständlich, dass wir das nur fortführen, zumal es diese Künstlercommunity auch mittlerweile nicht mehr gibt. Wir unterstützen jeden Künstler und wollen helfen, dass diejenigen, die sich an uns wenden, bekannter werden.

Markus: Der Musiker, Künstler oder Autor, der gerade zuhört, fragt sich jetzt vielleicht, wie konkret diese Hilfe aussieht.

Alexander: So, wie wir das bisher gemacht haben. Musiker können uns ihre Songs als MP3-Datei zuschicken und wir senden das dann aus. Autoren können uns eingesprochene Textpassagen, ganze Kapitel oder auch Gedichte im MP3-Format zukommen lassen. Wenn es genügend Material ist, machen wir daraus eine eigene Sendung, wenn nicht, dann spielen wir das zwischendurch in anderen Formaten. Schließlich senden wir 24 Stunden, da ist ausreichend Raum für unsere Künstler. Außerdem kann man an unseren Wettbewerben teilnehmen, wie etwa den PLANET AWARDS.

Markus: Und das andere große Event, der Song-Contest? Du warst ja bei allen Finals bisher als Moderator dabei. Wie bewertest du das Finale in diesem Jahr?

Alexander: Jedes Jahr nimmt das Niveau der Musikbeiträge unglaublich zu. In diesem Jahr war der Wettbewerb auch so vielfältig wie noch nie. Wir hatten Rock, Pop, Jazz, Techno und jede Menge Dance-Floor-Hits dabei. Ich bin immer noch so begeistert von den Beiträgen, dass ich mich schon auf den nächsten Wettbewerb freue.

Markus: Der Siegertitel von den Raccoons war auch mein Favorit in diesem Jahr.

Sag mal, du hast viele Künstler anmoderiert oder interviewt: Wen hättest du noch gern vor's Mikro bekommen?

Alexander: Ich hätte schon gern mal ein paar REDRUM-Kollegen vor's Mikro bekommen, wie z.B. Alexandra Mazar, Mari März, Wolfgang Brunner, George Adamah, A.C. Hurts, Jane Breslin usw. Selbstverständlich auch den Chef und Tausendsassa Michael Merhi. Aber Stephen King wäre auch in Ordnung. Ein Interview mit Colja Nowak oder Mona K. sowie Ulrike Behringer stelle ich mir ebenfalls äußerst interessant vor.

Markus: Jetzt haben wir aber genug über andere gesprochen, lass uns nun über dich sprechen. Du bist ein großer Musikliebhaber, das weiß ich ja inzwischen, aber mich interessiert es auch, welchen Platz die Musik in deinem Leben einnimmt.

Alexander: Musik ist für mich so wichtig wie das Schreiben. Es gehört sogar zusammen. Es inspiriert mich unglaublich, wenn ich Musik höre.

Markus: Also Musik inspiriert dich. Gibt es in deinen Büchern eine bestimmte Szene, die du mit einem bestimmten Song verbindest?

Alexander: Oh ja, die gibt es. In RUNAWAYS gibt es eine Szene, in der Mike mit Kimberly auf dem Highway dem Sonnenaufgang entgegenfahren. Dazu hörte ich damals von Toto den Titel ›Burn‹.

Markus: Okay, dann hören wir uns den jetzt an. Mich wundert es ja nicht, dass der Song von Toto ist.

Markus: So, mein Lieber, sicher gibt es den einen oder anderen, der wissen möchte, wie du mit dem Schreiben angefangen hast und natürlich deinen Weg bis zu deinem ersten Verlagsroman.

Alexander: Ich habe mir schon als Kind Geschichten ausgedacht und erzählt. Bevor ich schreiben konnte, habe ich Bilder gemalt. Meine Mutter kam mit dem Kaufen von Malblöcken gar nicht mehr nach. Ich erinnere mich noch an eine Geschichte von einem Kometen, der auf die Erde flog und diese zerstörte. Die Erwachsenen hörten mir gebannt zu.

Markus: Vielleicht nicht wegen der Geschichte, sondern weil es aus dem Mund eines Kindes kam?

Alexander: Gut möglich. Mein Schlüsselerlebnis war allerdings eine Strafarbeit, die ich in der Grundschule schreiben musste.

Markus: Eine Strafarbeit? Was hast du angestellt?

Alexander: Ein Mitschüler hatte mir im Klassenzimmer während der Pause eine Banane an den Kopf geworfen. Na ja, und ich warf sie zurück. Genau in diesem Moment kam unser Lehrer. Und so verfasste ich eine Strafarbeit mit dem Titel ›Eine Banane ist ein hervorragendes Wurfgeschoss‹.

Markus: Und das war dein Schlüsselerlebnis?

Alexander: Mein Lehrer war so begeistert. Ich hatte das Gefühl, dass er mich danach mit anderen Augen gesehen hat. Er hat mir von da an immer Mut gemacht, weitere Geschichten zu schreiben. Meine Mutter hat mich ebenfalls immer unterstützt. Sie hat mir, ich glaube, ich war zwölf, eine Schreibmaschine geschenkt. Darauf schrieb ich dann die erste Version von STERNENRING.

Markus: Ist das dann dein erstes Buch geworden? Was ist das für ein Genre und worum geht es in der Geschichte?

Alexander: Ja, das ist mein erstes Buch, das ich als Selfpublisher veröffentlicht habe. Eine Science-Fiction-Geschichte, die von einer Antarktis-Expedition im Jahre 2008 handelt. Per Zufall stoßen die Teilnehmer auf ein unterirdisches Forschungslabor, welches auf keiner Karte verzeichnet ist. Sie finden heraus, dass dort 1944 die Deutschen an der Wunderwaffe geforscht haben und diese tatsächlich auch hatten. Darüber hinaus entdecken sie ein Tagebuch, das schreckliche Antworten offenbart.

Markus: Warum hast du dann das Science-Fiction-Buch unter einem Pseudonym veröffentlicht und nicht auch den Hardboiled-Thriller RUNAWAYS, was ja irgendwie eher Sinn gemacht hätte, schließlich geht es dort, was Sex und Crime angeht, ordentlich zur Sache.

Alexander: Ein zweites Pseudonym wäre der falsche Ansatz gewesen. Mit Frost habe ich als Selfpublisher alles gegeben, aber man kann allein eben nicht das leisten, was ein Verlag kann. Das, was von mir bei REDRUM BOOKS erschienen ist, hat die Qualität, die ein Buch haben sollte. Ich habe hier einen Schnitt gemacht, einen Neuanfang, und den riskiere ich mit meinem richtigen Namen.

Markus: Kehrst du trotzdem irgendwann wieder zum Science-Fiction-Genre und deinem Pseudonym zurück?

Alexander: Zu meinem Pseudonym werde ich nicht mehr zurückkehren. Das ich, denke ich, Geschichte. Allerdings werde ich sicher irgendwann auch noch einmal eine Science-Fiction-Geschichte schreiben, nur blutiger (Spaß). Vorher werde ich die Geschichte von ROB STONE erzählen. Ich hoffe, dass ich Marion Mergen als Lektorin gewinnen kann. Die Zusammenarbeit hat schon bei der Kurzgeschichte zu Stone super gepasst.

Markus: Worum geht es da?

Alexander: Stone ist ein deutscher Boxer, der in die Staaten auswandert, um dort bei Box-Schaukämpfen etwas Geld zu verdienen. Er wird von einer geheimen privaten Organisation angeworben, die sich Vanessa nennt. Diese Organisation spürt vermisste und entführte Kinder auf.

Markus: Hör auf! Erzähl nicht zu viel! Du hast vorhin gesagt, dass es Menschen gab, die dich dazu motiviert haben, mit dem Schreiben anzufangen. Welche Unterstützung erfährst du heute?

Alexander: Meine Mutter unterstützt mich immer noch sehr, genauso mein Bruder und meine Tochter. Sie liest meine Bücher und begleitet mich auf Buchmessen. Aber auch Arbeitskollegen machen mir stets Mut und unterstützen mich. Natürlich auch der Rückhalt in der verlagseigenen Facebook-Gruppe (Redrum Books – Nichts für Pussys!) ist der Wahnsinn. Ich bin echt sehr dankbar dafür.

Markus: Gibt es auch Menschen, die das Gegenteil tun, sich z.B. über dich lustig machen, dass du schreibst?

Alexander: Ja, klar. Die gab es schon immer. Vielleicht sind sie weniger geworden, aber sie sind da – sogar im engsten Umfeld. Das Schreiben wird nicht ernst genommen, weil ich damit kaum etwas verdiene. ›Brotlose Kunst‹ heißt es da. Träumer! Gut tut mir das natürlich nicht, aber ich lerne immer besser, damit umzugehen.

Markus: Wie gehst du mit Kritik um?

Alexander: Kritik ist lebenswichtig für Künstler. Sie hilft dabei, sich weiterzuentwickeln. Ich weiß noch, wie sehr mich der Verleger des REDRUM-Verlags in die Mangel genommen hat. Knallhart hat er gesagt, welche Mängel meine Story hat und wo Verbesserungspotenzial ist. Ich habe damals eine Phase gehabt, wo ich alles hinschmeißen wollte. Ich war der Meinung, dass ich nicht schreiben kann, dass es Schrott ist, was ich da mache. Diese Phase war aber wichtig. Michael hat mich geformt und weiterentwickelt. Meine Geschichten profitieren heute davon. Ich bin ihm dankbar, dass er an mich geglaubt und nicht aufgegeben hat. Das ist aber auch seine Philosophie. Er ist ein moderner Ritter der Verlage. Er gibt Talenten aus Deutschland eine Chance. Das, was die großen Verlage schon lange nicht mehr machen. Sie gehen kein Risiko mehr ein, REDRUM BOOKS schon. Ich hoffe, nein, ich weiß, dass sich das alles auszahlen wird.

Markus: Weißt du schon, wann die Fortsetzung zu RUNAWAYS erscheint?

Alexander: Na, ich hoffe, dass sie zur BUCH Berlin im November 2018 veröffentlicht sein wird, denn ich werde natürlich in Berlin sein. Das wäre wirklich super. Ich hoffe sehr, dass Michael Merhi das genauso sieht und meine Verlagslektorin Marion Mergen Zeit für mich hat. 😊

Markus: Was sind deine nächsten Projekte? Worauf können wir uns dieses und die nächsten Jahre freuen?

Alexander: STONE wird kommen. Das kitzelt mich schon seit Wochen. Dieses Buch wird mich an meine Grenzen bringen. Darauf bin ich sehr gespannt. RUNAWAYS III wäre auch möglich, aber das ist letztlich davon abhängig, wie sich Band II verkauft. Wird es ein Hit, schreibe ich natürlich auch noch gern einen dritten Teil. Ich habe aber auch noch einen richtig heftigen Thriller im Kopf und ich plane eine Dark-Noir-Hardboiled-Anthologie. Außerdem ist für 2019 eine Zusammenarbeit mit Alex Miller im Gespräch. Und ich möchte meinen Roman STERNENRING (also mein Selfpublisher-Debüt) endlich unter meinem richtigen Namen veröffentlichen.

Markus: Was ist dein Lebensmotto und was möchtest du gern an deine Kinder weitergeben?

Alexander: Steh einmal mehr auf, als du fällst. Meinen Kindern sage ich immer: Seid tolerant, akzeptiert die Menschen so, wie sie sind, und lasst jedem genügend Raum und Luft zum Atmen.

Markus: Super Einstellung. Okay, jetzt muss ich dir noch ein paar unangenehme Fragen stellen. Nämlich die von den Radioplanet-Hörern und aus der Facebook-Gruppe ›Redrum - Nichts für Pussys!‹. Welcher war der spektakulärste Ort, an dem Sex hattest?

Alexander: Ich glaube, dass das für REDRUM-Leser alles nicht so mega spektakulär wäre.

Markus: Hast du schon mal so gelogen, dass das heftige Konsequenzen hatte?

Alexander: Ich habe bestimmt viele Fehler im Leben gemacht, die negativen Konsequenzen hatten, aber an eine solche Lüge kann ich mich spontan nicht erinnern.

Markus: Sind Szenen in RUNAWAYS aus deinem realen Leben eingebaut.

Alexander: Ich kann nicht verhindern, dass Autobiografisches in meine Bücher fließt. Da ist RUNAWAYS keine Ausnahme.

Markus: Wer kauft dir deine Unterhosen?

Alexander: Ich selbst. Ich trage aber nur Shorts.

Markus: Würdest du einen Seitensprung beichten?

Alexander: In einer solchen Situation war ich noch nicht, da ich noch nie fremdgegangen bin. Wer RUNAWAYS kennt, weiß, wie ich zu diesem Thema stehe.

Markus: Was schockt einen Kerl wie dich?

Alexander: Menschen, die sich gegenseitig das Leben schwermachen. Oft sind es Menschen, die sich eigentlich sehr nahestehen. Das ist heftig. Gerade die, die sich gegenseitig stützen sollten. Das schockt mich.

Markus: Wir sind durch! Danke dir.

Alexander: Markus, ich danke dir, dass du die Sendung WATT AUF DIE OHREN übernimmst und sie nicht sterben muss. Viel Erfolg und vor allem Spaß dabei.